Beim Filmeabend mit Freunden wollten wir mal wieder etwas wirklich neues ausprobieren. Die Auswahl ist unendlich –man kennt das. Und irgendwie kam es dazu, dass wir uns den koreanischen Film Bin Jip anschauten. Ohne so recht zu wissen, worum es in diesem Streifen ging, wurde schnell klar, dass es sich um ein wirklich andersartiges Kunstwerk von einem Film handelt. Der Regisseur Kim Ki-duk schafft in den anderthalb Stunden, in denen die beiden Protagonisten nicht sprechen*, eine ganz besondere Atmosphäre, die die Geschichte stets spannend und die Emotionen der beiden Hauptdarsteller unglaublich menschlich und nachvollziehbar hält. Der Film ist extrem langsam, schwebt so vor sich hin, und jede Sequenz scheint in ihren Bildern sorgfältig ausgewählt und perfekt abgestimmt zu sein. Was den Film weiter so künstlerisch und fernab der normalen Verfilmung einer Geschichte erscheinen lässt, sind die Symbole, die ohne plump zu wirken, so gar nicht subtil herbeigezogen werden. Zum Beispiel der immer wieder auftauchende Golfschläger. Dazu kommt der ebenfalls sehr reduzierte, fast meditative Soundtrack, der den Eindruck des Filmes bei mir noch verstärkt hat: Bin Jip ist wohl einer der schönsten Liebesfilme, die man sehen kann.
Zur Geschichte: Es geht um einen umherziehenden jungen Mann, der Häuser besetzt, deren eigentliche Bewohner verreist sind. Dabei stiehlt er nichts, sondern entschädigt die Besitzer für seinen Aufenthalt sogar, indem er putzt oder Haushaltsgegenstände repariert. Später schließt sich ihm eine Frau an, deren Mann er beobachten konnte, wie er sich an ihr vergang. Ohne miteinander zu sprechen nähern sich die Beiden an und werden ein Liebespaar. Zusammen machen sie es sich in den Wohnungen fremder Leute gemütlich — bis es irgendwann doch schief geht. Was im zweiten Teil passiert lasse ich offen und lasse dafür die abschließende Szene sprechen, wortlos, mit den wundervollen Bildern Kim Ki-duks.
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*) Gut, die weibliche Hauptrolle sagt zum Ende des Films immerhin: “Ich liebe dich” und “Schatz, das Frühstück ist fertig”.
23. Septmeber 2009, Paris: Das französische Magazin für gute Musik, La Blogotheque, hat im vergangenen Jahr ein ganz besonderes Konzert der Kings of Convenience initiiert. Auf einem Pariser Dachboden (oder so ähnlich) spielten die beiden Norweger in einer intimen, etwas scheuen Atmosphäre einige ihrer stets wundervollen Songs. Das Publikum brauchte zwar ein Bisschen, um lockerer zu werden, aber nichtsdestotrotz ich beneide jeden Einzelnen der glücklichen Wenigen, die dabei sein durften. Ich glaube, das war ziemlich einmalig.
Die amerikanische Schauspielerin und Sängerin Janina Zione Gavankar, Tochter einer indischen Holländerin, hat ihre ganz eigene Interpretation des Kanye West Tracks “Love Lockdown” kreiert. Mich erinnert ihr Klangentwurf aus Gründen an die Britin Imogen Heap, die teilweise ähnlich experimentelle Stücke komponiert, wobei Gavankar noch einen Schritt weiter geht, indem sie mit den Filmemachern Caitlin Pashalek und Ian Lyman ein extrem atmosphärisches Video gedreht hat, das anders als der erste Eindruck es vermittelt, unter Low Budget Bedingungen gestemmt wurde. Durch die Symbiose des Stückes mit den Bildern entsteht ein sehr künstlerisches Gesamtwerk, das mir wirklich zusagt.
Nach der langen Nacht den ganzen Tag destruktiv zuhause gesessen. Ich bin müde und habe Kopfweh. Ich habe verdammt nochmal Gründe, mich selbst zu bemitleiden. Am besten geht das mit depressiver Musik. Da passt zum Beispiel Maeckes‘ und Tuas “Unfair”, zu dem Björn Dammann ein schönes Video gedreht hat. Oder das großartig entrückte “Istanbul 1:26 AM” von Orient Expressions.
Passend zum Wetter: Wundervoll abkühlende Schwarz/Weiß Bilder, die 1953 während der Hitzewelle in New York von dem Life Magazine Photographen Peter Stackpole aufgenommen wurden.
Mit zwölf Jahren bin ich Fußball Fan geworden. Von da an habe ich keine Samstags Sportschau mehr verpasst, ich habe handschriftlich oder mit meiner Schreibmaschine detaillierte Spielberichte von den Spielen meiner Eintracht geschrieben — und ich habe den kicker gelesen. Ich hatte das Sportmagazin (yep) jahrelang abonniert und jede Woche intensivst gelesen. Dazu gehörten natürlich auch die letzten Seiten des Innenteils mit den Kolummnen. Auch Karl-Heinz Heimanns “Scheinwerfer” war Pflicht. Der Mann war eine echte Fußball Autorität, so einer wie der Netzer, dem, was er schrieb konnte man vertrauen.
Schon seit letztem Jahr heißt es nicht mehr “kicker-Herausgeber Karl-Heinz Heimann dreht den Scheinwerfer”, nun ist Heimann gestern im Alter von 85 Jahren verstorben. RIP
Der Grafiker Lukes Beard hatte für 2010 die schöne Idee, täglich Bildchen mit netten Sprüchen im Netz zu vergessen. Als Vorlage für die Zeilen lässt er sich für “A Lyric a Day” von Songs inspirieren.