Letztes Jahr habe ich als ganzjähriges Experiment in iTunes meine Lieblingsalben gesammelt. Es ging mir dabei darum, dass es wirkliche Klassiker für mich waren und nicht nur Alben, die mir einige Wochen gefallen. Was dabei herausgekommen ist präsentiere ich euch hier und heute.

Hin zur Sonne (Casper)
Der Bielefelder Casper ist seinen Weg wie kein anderer gegangen. 2004 veröffentlichte er mit Abroo und Separate den Deutschrap-Klassiker Rap Art War und wurde als eines der vielversprechendsten Talente gefeiert. Doch anstatt sich signen zu lassen oder Alben zu droppen hatte Casper die Nase voll von Hip Hop und ging über ein Jahr auf Tournee als Sänger eine Death-Metal Band auf. 2006 hatte er seinen Sinn für Rap wiedergefunden und veröffentlichte das Mixtape Die Welt hört mich. Zwei Jahre später kam nun sein erstes Soloalbum Hin zur Sonne. Hin zur Sonne ist von vielen melancholischen Songs geprägt, die, laut Casper, seiner eigenen Geschichte nachempfunden sind. Daneben glänzt der Mann mit dem Emokopf und der wahrlich ‘abgefuckten’ Stimme auf schnelleren und wütenderen, sowie amüsanteren Stücken. Hin zur Sonne ist ein stimmiges, aber abwechlungsreiches Album, dass erst durch manche Ungereimtheiten brilliert. Produziert wurde die lp zum größten Teil von Shuko und die Höhepunbkte sind meines Erachtens nach die ersten beiden Tracks Hin zur Sonne und Deine Jugend sowie Kein Held. Vor einigen Tagen hat Casper beim erfolgreichen Label Selfmade Records unterschrieben, um dort im Herbst sein zweites Soloalbum rauszubringen.
Inzwischen (Tua)
Über Inzwischen habe ich bereits eine Rezension verfasst. Für mich ist Tua nach wie vor die Hoffnung der Deutschrap Szene. Am Freitag wird sein Album Grau über Deluxe Records veröffentlicht, zu dem er auch schon ein Video gedreht hat.
‘Inwischen’ ist also ein kompaktes Stück Musik. Acht Songs auf 30 Minuten lassen musikalisch wie textlich keine Fragen mehr offen. Obwohl: Wenn das die EP ist!, wie gut wird das Album?
Kunst über Vernunft (Maeckes & Celina)
Wenn eine Beziehung scheitert, heißt das nicht gleich, dass sie in einem Streit endet. In einem gemeinsamen Projekt aber wohl auch nicht? Der Stuttgarter Maeckes und die Berlinerin Celina haben trotzdem genau das getan. Auf dem Album Kunst über Vernunft verarbeiten sie das Ende ihrer Beziehung und schaffen eine einmalige, traurige und doch in die Zukunft blickende Atmosphäre. Die beiden zeigen, dass sie stark sind und sich über die Vernunft stellen. Musikalisch gesehen verbindet das Album roughe Hip Hop Beats mit ruhigen jazzig-souligen Melodien. Mir persönlich misfällt das Intro ein Wenig, da Maeckes’ Text so gar nicht zum Rest der Platte passen will. Das wiederum spiegelt das Konzept des Albums. Zwei Welten treffen aufeinander und bleiben grundverschieden, es verbindet sie nur die Musik. Neben den Lidern zu diesem Thema sticht vor allem das wunderschöne Don’t Ask heraus. Maeckes erklärt die Welt, reflektiert und ohne Zeigefinger. Alles in allem ist Kunst über Vernunft ein sehr gutes, musikalisch wertvolles Album, dass aber keine konventionelle Kollaboration darstellt. Celina und Maeckes stehen für sich selbst. Sie bleiben für sich und scheinen doch ihren Frieden miteinander zu finden.
Kleiner Katechismus (Prezident)
Auch über Prezidents Kleiner Katechismus habe ich schon vor einigen Monaten eine Einschätzung verfasst.
Was soll man schon noch sagen, wenn man als Hip Hop affiner Musikhörer fast 40 Minuten lang einem Germanistik Studenten ausgesetzt ist, der einem nachhaltig bewusst macht in was für einer verdreckten Realität er lebt, wenn man fast 40 Minuten lang dreckige Drumsets auf minimalen Melodien zu hören bekommt und sich in einer surrealen, nicht lebenswerten Realität wähnt. Ich weiß nicht wie es ‘man’ geht, doch ich war sprachlos, fasziniert, vielleicht auch geschockt und dann überzeugt.
Viktor Bertemann ist Wuppertaler und versucht sich seit über zehn Jahren an Beats und Raps. In dieser Zeit hat sich der junge Mann, der sich nun Prezident nennt, geschafft sich von jeglichen Fesseln der deutschen Rapszene zu lösen.
Stark wie Zwei (Udo Lindenberg)
Verdammt! Ein alter ausgedienter Rocker startet ein Comeback. Eine richtige Zurückkomm’-Aktion mit neuen eigenen Texten. Revolutionär sollte sie sein, wie Keine-Panik-Udo es schon seit den frühen 80ern nicht mehr war. Das kann eigentlich nicht funktionieren. Das Gegenteil bewies uns Udo Lindenberg indem er seine alten Pfade wiederaufnahm und sich gleichzeitig vom aktuellen Pop inspirieren ließ. Produziert wurde die Platte zum größten Teil von der Pop Größe Andreas Herbig, der mit seinen Melodien Udo wohl im Herz getroffen hat. Gänsehaut pur ruft vor allem der Titelsong Stark wie Zwei, in der alte Rocker den Tod seines Bruders verarbeitet, hervor. Dem Album folgte die Tour. Von einem Einbruch ist nichts zu spüren. Udo rockt wieder, so wie auf den alten Platten meines Vaters.
