# Ausländer abschieben: Der Hintergrund kann uns ja egal sein -- 04.11.08
Ich höre in letzter Zeit immer öfter, dass “die Ausländer ja sowieso nur unser Land kaputt machen” und dass wenn sie mehr als eine Straftat begangen haben in die Heimat ihrer Eltern oder Großeltern abgeschoben werden sollen. Das ist ja eine super Idee.
Bestandsaufnahme früher: vor 40 Jahren haben “wir Deutsche” ein paar nette Italiener, Griechen und Türken eingeladen, die für uns die Drecksarbeit verrichtet haben und bis heute verrichten. Wohnegelegenheiten bekamen sie da wo die anderen von “wo anders” halt auch waren und ihre Kinder konnten ja auch so irgendwie unsere Sprache lernen. Die Jahre strichen ins Land, das Wirtschaftswunder kam – und ging.
Bestandsaufnahme heute: Die Integration ist gescheitert. Denn der Zeitpunkt ist gekommen, an dem der Junge merkt, dass er nicht akzeptiert wird wie er ist. Er ist anders als die anderen, wird Kanacke genannt und merkt, dass er nicht die gleichen Chancen hat und dass er da wohnt wo es allen geht wie ihm. Er schließt sich mit den Jungs des Viertels zusammen, er randaliert und ist wütend auf die “reichen deutschen Kartoffeln”. In diesem Moment dreht sich der Spieß um und letztere berufen sich auf “ihre Rechte”: “Deutschland den Deutschen” oder “Wenn DIE sich nicht ordentlich benehmen können sollen sie doch dahin gehen, wo hergekommen sind”.
Wenn es so einfach wäre, denn eigentlich sind DIE Deutsche, sie wurden hier geboren und sind ausgestattet mit dem grünen Pass inklusive dem goldenen Adler. Abschieben ist also keine Alternative, denn was sollen sie in einem Land, das sie höchstens als Urlaubsziel kennegelrnt haben.
Also warum könnte man nicht einfach ordentliche, weitsichtige Integrationsprogramme einführen? Ein Kindergartenkind mit Migrationshintergrund will doch auch mit dem kleinen blonden Nachbarsmädchen befreundet sein und andersherum. Die Haar- und Hautfarbe stört doch beide nicht. Und wenn die Elternteile der beiden Kleinen das nicht verstehen und Vorurteile schon in der frühen Kindheit säen, dann sollte unser Familienministerium was gegen den Teufelskreis unternehmen. Kindergärten könnten zum Beispiel für jedes Kind verpflichtend sein und gute Erzieher/innen bezahlt werden, die es schaffen keinen Unterschied zwischen deutsch und “den Anderen” zu machen. Das ist eine und bei weitem nicht die einzige Lösung und vor allem nicht das einzige Problem. Ich kratze nur an der Oberfläche eines brisanten Themas, bin mir aber sicher, dass man die Misständen aufarbeiten kann und niemals abschieben sollte.
Und solange das nicht geschieht, macht es mich immer wieder wütend wenn ich Leute über das Abschieben sprechen höre, die einen ähnlichen Bildungshintergrund wie ich haben, aber deren Horizont der nicht über die Grenzen ihres engen Spießerbewusstseins hinausreicht. Aber warum nicht?
“Auge um Auge, bis die ganze Welt erblindet”
Mahatma Ghandi

Schön geschrieben,aber wenn Du in Berlin leben würdest dann hättest du bestimmt eine andere Meinung…