# Zum Glück in die Zukunft -- 22.08.10

Freitag 2 p.m., für meine Begriffe viel zu spät, kam der Postbote mit dem so heiß erwarteten kleinen Paket dann doch noch. Vor lauter Ungeduld und Enttäuschung hatte ich es mir vorher nicht nehmen lassen, Marterias “Zum Glück in die Zukunft” schon einmal anzuhören. So wie schon lange nicht mehr, saßen der große Bruder und ich gebannt vor den Boxen, um uns eine Dreiviertelstunde die 12 Tracks des Albums so richtig anzuhören. Und trotz der schon im Vorfeld so hohen Erwartungen, können wir Beide so einfach sagen: Jup, das ist es. Es passt wirklich alles zusammen, man kann von keinem wirklich schwachen Track sprechen, dafür überwiegend von echten Hits — wirklichen Hits. Dass “Endboss” und “Verstrahlt” gut ankommen, haben die Reaktionen verschiedenster Blogs ja schon gezeigt, potenzielle Singles wie “Wie mach’ ich dir das klar” mit Jan Delay und Adamo Sample oder “Sekundenschlaf” mit Peter Fox werden ähnlich positiv aufgenommen werden, da bin ich mir sicher. Aber auch die anderen, normalen Tracks gehen verdammt gut rein. Auf der einen Seite mit ihren monströsen Basslines, zum Anderen mit ihren Ohrwurm Hooks. Herausstechen für mich dabei vor allem “Amys Weinhaus”, “Du willst streiten”, “Louis” und “Seit dem Tag als Michael Jackson starb”. Oder “Veronal” mit dem überragenden Marsimoto Part. Doch wie ich so bin, kann ich auch so ein Album nicht ganz unbemeckert lassen. Einmal taugt mir – obwohl es ein ungalublicher Track ist – “Endboss” noch nicht so recht als Opener in den Kram, da es sich meines Erachtens vom Sound her zu stark von den nachfolgenden “Verstrahlt” und “Amys Weinhaus” unterscheidet. Darüber hinaus finde ich, dass “Kate Moskau” nicht unbedingt auf das Album musste, wobei das schon so in Ordnung geht. Letzteres gilt auch für den Beat von “Marteria Girl”, der passt schon so, hätte aber auch ein Paar mehr Ecken und Kanten gut vertragen.
Ansonsten könnte Marteria hier ein Album als Exempel für die die kurzfristige Ewigkeit statuiert haben. Den Sound, den er zusammen mit den Krauts und zum Teil Robot Koch geschaffen hat, ist so nie dagewesen und dadurch auch die Chance für andere deutsche Rapper sich endlich mal international abzusetzen und eine eigene Schiene zu fahren. Marteria schafft mit “Zum Glück in die Zukunft” eine breitere Öffentlichkeit für die Ideen, an denen auch schon Maeckes und Tua (auch mit den Orsons) zuletzt gefeilt haben, ohne dabei jedoch ein annähernd so massentaugliches Produkt herauszubekommen. Ich bin wirklich sehr gespannt, ob andere Künstler in der Lage sind die neuen Ideen weiterzuverarbeiten, um so wirklich einen neuen Trend zu setzen. Vielleicht zeigt Marteria ja Casper mal wie das geht, mit den besonderen Beats. Schön wär’s.
Nachtrag // Auf Horst Ones Anraten: die Videos “Verstrahlt” feat. Yasha und “Endboss”.
(abstandhalter)

Übrigens. Das Artwork ist auch ziemlich großartig und 10€ für die Limited Edition ist wirklich nicht so teuer.
Übrigens. Wenn Marteria richtigen Charterfolg hat sind die Krauts der Inbegriff für guten deutschen Sound, der auch noch erfolgreich ist.
Übrigens. Irgendwie unfair, dass Miss Platnum eigentlich auf einigen Tracks mehr als nur Background Vocals singt, aber trotzdem nur für “Veronal” den Feature Credit kriegt.
Übrigens. Alles verboten, Anglizismus, aber whatever.
Ich bin überrascht, dass ich endlich mal nicht enttäuscht wurde nach so vielen Vorschusslorbeeren. Ist ein Top-Album mit Kaufpflicht! Deine Kritik sehe ich fast ähnlich, bin aber noch zu sehr begeistert vom Rest, als dass mir die kleinen Schnitzer den Gesamteindruck trüben könnten :)
Geht mir eigentlich ähnlich, ich bin noch total am feiern. Aber die zwei, drei Kleinigkeiten sind mir eben nach ein paar Mal Hören aufgefallen.
hättest gleich noch das endboss video mitbloggen sollen!
also ich hör das album ja mittlerweile seit knapp einer woche ziemlich intensiv. mir haben anfangs der songs mit dem jacko im titel und kate moskau nicht komplett gefallen. mittlerweile lass ich aber i.d.r. das komplette album durchlaufen und finde alles ziemlich gut.
ich liebes es! und die releaseparty in neukölln war auch groß!
gruß!
Beneide dich sowas von darum, dass du bei der Release Party sein konntest. :(
Habe es nun auch mehrmals in unterschiedlichen Situationen gehört (S-Bahn, Joggen, zuhause) und muss sagen, dass das Ding eine wirklich konsistente Sache ist. Wenn man die ersten Kommentare auf Amazon liest, stellt man fest, dass das Album tatsächlich auch von Älteren und Nicht-Rap-Hörern gut gefunden wird :) Marterias Texte sind imho absolut rund und wasserdicht, die Produktionen auch. Im Gegensatz zu Jonathan habe ich auch nichts an der Auswahl der Tracks im Verhältnis zum gesamten Album auszusetzen.
Mir ist nur aufgefallen, dass – wenn alles andere nahezu perfekt ist – mein Augenmerk intensiver auf die Featuregäste gelenkt wird, und da finde ich mich teilweise nicht so wieder. Nichts gegen die Künstler als Persönlichkeiten, ich kenne ja nur ihre Medienrepräsenstanz. Nur mag ich teilweise genau ihre gewählten Inszenierungsformen nicht.
So komme ich z. B. auf Caspers Lederjacken-Räuchervocals-80er-Jahre-Rockbandcrooner-Style nicht so klar (bzw. es fehlt mir dazu der ästhetische Sinn, vllt. weil ich die 80er selber durchleben musste). Gerade für dieses Feature soll ja (nach O-Ton Marteria auf den Bonustracks der iTunes-VÖ) einiges Geld den Besitzer gewechselt haben. Nun ja, Geschmackssache.
Natürlich sucht ein Künstler (oder sein Label) seine Kooperationspartner nach seinen Kriterien aus. Doch trotz hervorragender Texte und instrumentaler Kreativität und Vision, letztlich ist es ein Gesamtwerk, bei dem ich leider nicht einzelne Spuren muten kann ;P Wenn ich ein Album eines Künstlers kaufe den ich feiere, ein Großteil seines Albums allerdings durchsetzt ist mit Gästen, die ich nicht feiere, dann hält mich diese Mischung davon ab, es in meine Analen der “kurzfristigen Ewigkeit” aufzunehmen.
Dennoch ist es m. E. ein sehr gutes Album, was andere Künstler im deutschen Rap hoffentlich dazu insperiert, einmal neue Wege zu gehen.
Sorry, es muss “inspiriert” heißen. Oh, mann!
Also ich als einer, der die 80er nicht durchleben musste ;) und vll. auch deswegen Casper ziemlich feiert, habe ich nichts an dessen Part auszusetzen. Finde ihn insgesamt sehr sympathisch und höre seine Musik inzwischen seit einigen Jahren. Das passt schon so, wobei ich deine Kritik verstehen kann. Ich glaube allerdings, dass hinter seinem Style weniger Kalkül steckt als man sich vorstellen könnte. Dass aber besonders viel Geld für dieses Feature geflossen ist, kann ich mir gar nicht vorstellen. Die Beiden sind gute Kumpels, wohnen beide in Berlin und das einzige Geld ist da, dachte ich, an Caspers Plattenfirma geflossen. Vielleicht irre ich mich, aber es würde mich schon sehr wundern. Da denke ich, musste Marteria mehr für Jan Delay hinblättern. Was sagt er denn da im Wortlaut..?
Aber es ist doch witzig, wie unterschiedlich der Hörer die einzelnen Bestandteile des Albums aufnimmt. Die Gastparts habe ich mir z.B. einmal angehört und für gut befunden. Das war’s. Gerade, dass Miss Platnum so oft vertreten ist, gefällt mir sogar sehr gut, da ihre Stimme eine entspannende Abwechslung zu Marterias Bassstimme ist.