Jani und ich haben dem Mannheimer Pal One einige Fragen gestellt. Sein Album “Seelentreffen” ist von Kool DJ GQ und Patrick Ahrend produziert und erscheint am 17.4. . Es ist schon die vierte LP Pal Ones, der von vielen Fans als der ehrlichste Rapper Deutschlands gefeiert wird. Ob einer noch ehrlicher ist weiß ich zwar nicht, aber viele seiner Songs, gerade vom Debütalbum “Palwolf”, sind meines Erachtens nach heute aktueller denn je und echte Klassiker.
Du bist schon sehr lange im Deutschrapgame am Start, doch viele Fans der neuen Generation werden dich noch gar nicht kennen. Wofür stehst du und deine Musik?
Für Ehrlichkeit, Liebe und Mannheim.
Was ist ist in den zwei Jahren, in denen man eigentlich gar nichts von dir hörte, passiert?
Ich habe mir einfach eine Auszeit genommen, nach etlichen Jahren im Geschäft war das einfach bitter nötig. Die Übersättigung des Marktes, das Überarbeiten, der Stress – ich musste mir einfach mal Ruhe gönnen, um mich wieder zu fokussieren und mir die Frage zu stellen, was möchte ich mit Pal One erreichen und wo und vor allem wie geht es die nächsten Jahre weiter. Prinzipiell eine Erholungsphase für den Körper und den Geist.
Was bedeutet das Album “Seelentreffen” für dich?
Seelentreffen ist ein unglaublich ruhiges, souliges Album, kein Hard Hittin’, kein Battle. Ich wollte schon immer mal ein Album machen, dessen Essenz mehr auf Musikalität und Stimmung basiert, als auf ‘in die Fresse’. Nach meiner Pause also genau das richtige Ding um wieder rein zu kommen. Für mich persönlich hat jedes meiner Alben einen besonderen Stellenwert, da all das musikalische Schaffen den Mensch und MC “Pal One” ausmacht.
Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Patrick Ahrend und Kool DJ GQ?
GQ hat ja schon auf meinem ersten Album “Palwolf” eine Produktion gehabt, so wie ich auf seinem Producer-Album “Birth of Kool” dabei war. Der Kontakt müsste so um 2001 entstanden sein. Dazu kommt, dass er ein sehr angenehmer, erwachsener Kollege ist, mit dem es sich leicht arbeiten lässt. Patrick Ahrend und GQ produzieren für Curse, beide hatten mich 2008 angefragt ob ich mir ein Solo Album vorstellen könnte und ich hatte Bock.
Inwiefern waren sie mit in den Enstehungsprozess des Albums und der Songs integriert?
Ich empfinde es immer so: Der Producer setzt mit dem Beat eine Grundstimmung vorraus, die das Thema schon eingrenzt, das hilft natürlich dem MC ungemein. Somit beginnt der Entstehungsprozess schon mit den Klängen des Beats und die Producer tragen einen sehr großen Teil dazu bei. Beim Texte schreiben ist man natürlich wieder auf sich alleine gestellt, so fern das in der heutigen Zeit noch üblich ist.
“Seelentreffen” war ein Hin- und Hergeschicke der Files. Die Beats wurden komplett in deren Studio produziert und gemixt, ich habe in meinem Studio alle Vocals aufgenommen und gemixt. Boom, fertig.
Schon bei deinen letzten beiden Alben hast du auf einzelne Produzenten vertraut. Bei “Seelentreffen” nun wieder. Wo liegen die Vorteile und wo die Nachteile dieser Produktionsweise?
Eigentlich erkenne ich nur Vorteile, ich kann mich auf einen Einzelnen oder ein Team konzentrieren, das vereinfacht viele Dinge. Die Vorraussetzung ist natürlich, dass der Producer so vielfältig ist, um genug abwechslungsreiches Material an den Start bringt, damit das Album ein rundes, stimmiges Endergebnis erzielt. Ebenso muss er die Eigenschaft haben zu erkennen welche Beats und Stimmungen der jeweilige MC benötigt.
Welchen Stellenwert hat Mannheim für dich als Rapper und Menschen?
Hier bin ich geboren, hier bin ich groß geworden, das ist meine Homebase, hier spielt sich mein ganzes Leben ab. Ich denke jeder Mensch hat einen besonderen Bezug zu seiner Heimat.
Inwieweit kannst du dich mit dem aktuellen Geschehen in Rap-Deutschland identifizieren? Welche Entwicklungen gefallen dir, welche nicht?
Ich habe aufgehört mich damit zu identifizieren. Ich sehe mich nicht in der Position über das alles zu urteilen, genau genommen ist es mir auch scheiß egal was andere machen. Es gibt Künstler, die ich schätze und Künstler auf die ich einfach nicht kann. Im Bezug auf Pal One ist das genauso. Was mir gefällt ist, dass alle Künstler, die die Fresse so weit aufgerissen haben fast restlos gefloppt sind, das bestätigt meine Meinung, dass unsere Gesellschaft noch Hirn hat und der Markt sich selbst reinigt. Vielleicht legen dann auch die großen Portale und Medien wieder mehr wert auf Künstler, die es ernst meinen und keine Modeerscheinungen sind. Aber jeder entscheidet für sich was ihm gefällt und was nicht. Ich bin sehr genügsam, mir geht das am Arsch vorbei.
Hörst du privat eigentlich deutschen Hip Hop oder sind die “10 von 10 Releases” wirklich alle scheiße?
Klar höre ich Rap Musik, aber halt echt nur von Leuten, die es ernst meinen. Meine Line heißt: “von 10 Releases ist keines mehr cool”, zwischen uncool und scheiße liegen für mich noch Welten.
Der Eine hört dies gern, der Andere das gern. Ich bin froh, dass Musik eine Geschmacksfrage ist und man frei wählen kann von wem man “Fan” ist und von wem nicht.

